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Erster Preis 400 Mark mit Stehfahne dem Sieger

Vor 100 Jahren gewann der Wallach „Kellner I“ beim Rosenheimer Volksfest eine prächtige Stehfahne. Diese ist nun im Besitz des Städtischen Museums.

Seit 1861 feiert Rosenheim im frühen Herbst ein Volksfest auf der Loretowiese. In der Anfangszeit war dieses Volksfest oft verbunden mit einer Gewerbe- und Landwirtschaftsschau und einem mehr oder weniger umfangreichen Rahmenprogramm. In den ersten Jahrzehnten fand das Fest nicht jährlich, sondern in unregelmäßigen Abständen statt. 1914 war es bereits fest geplant, musste aber durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges abgesagt werden.

Nach Kriegsende verhinderten die herrschenden Unruhen und die schlechte wirtschaftliche Lage die Veranstaltung eines Volksfestes. Erst 1925, also vor genau 100 Jahren, fand wieder ein Volksfest in Rosenheim statt.

Zu diesem Volksfest gehörte neben einer Gewerbeausstellung im Städtischen Lagerhaus (heute Ausstellungszentrum Lokschuppen) auch ein umfangreiches Tagesprogramm mit Konzerten und Fahnenweihen, aber vor allem auch mit verschiedensten Sportveranstaltungen. Fast täglich fanden Turn- und Sportfeste statt, der Bayerische Schützenverband hielt ein „Großes Preisschießen“ ab und der Rosenheimer Rad- und Motorfahrer-Verband Konkordia ein Radrennen.

Besonders viel Aufmerksamkeit erregten jedoch die Pferderennen. 1925 feierte der Rosenheimer Rennverein während des Volksfestes mit groß angelegten Veranstaltungen sein 50jähriges Jubiläum. Sowohl am Sonntag, den 30. August, als auch am Donnerstag, dem 3. September 1925, fanden auf der sogenannten Gabrielwiese (heute liegt dort das Sportstadion des TSV 1860 Rosenheim) Trabrennen im Sulky statt.

Die Wettkampfteilnehmer kamen laut Programmheft aus ganz Deutschland und Österreich. Wie am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen war, besuchten zahlreiche Rosenheimer die Veranstaltung. 

Das erste Rennen für dreijährige und ältere Pferde ging über 2410 Meter. Als Sieger ging der 11jährige Wallach „Kellner I“ der Gebrüder Büttner aus Unterdeufstetten (heute ein Ortsteil der Kommune Fichtenau im Kreis Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg) durchs Ziel. Damit gewannen die Brüder Büttner den ersten Preis der Stadt Rosenheim über „400 Mark mit Stehfahne“. Der Fahrer, Herr J. Wimbauer, erhielt einen Zinnpokal.

Wie der Zufall es will, meldete sich fast auf den Tag genau hundert Jahre später die Enkelin des Josef Büttner beim Städtischen Museum Rosenheim: Bei ihr im Speicher in Nürnberg liege eine Fahne, die der Großvater in seinen jungen Jahren beim Pferderennen in Rosenheim am 30. August 1925 gewonnen habe. Diese Fahne würde sie gerne nach Rosenheim zurückgeben.

Die Stehfahne, 93 Zentimeter hoch und 75 Zentimeter breit, ist aus lilafarbener Seide genäht und mit Goldborten und Goldfransen verziert. Mittig zeigt eine auf Leinwand gemalte Ansicht das Mittertor vom Ludwigsplatz aus gesehen, rechts im Vordergrund das Reindl-Haus. Darüber und darunter sind in Goldbuchstaben die Aufschriften: „1. Preis der Stadt Rosenheim“ und „Volksfestrennen Rosenheim 30. 8. 1925“ aufgedruckt.

Im Programmheft zum Volksfest-Rennen 1925, das im Stadtarchiv Rosenheim verwahrt wird, findet sich gleich auf den ersten Seiten eine große Werbeanzeige des Spezialgeschäftes für Vereine von Hermann Jahn, Rosenheim, Max-Josef-Platz 23, die für genau solche mit einer Querstange an einer senkrechten Fahnenstange befestigten „Stehfahnen“ wirbt. Sehr wahrscheinlich wurde auch die 1925 von den Gebrüdern Büttner gewonnene Stehfahne im Spezialgeschäft von Hermann Jahn hergestellt.

Seit Ende August 2025 ist diese Fahne Neuzugang Eigentum des Städtischen Museums Rosenheim und wird über die Herbstfestzeit im Schaufenster des Museums zusammen mit anderen Objekten zum Volksfest 1925 zu bewundern sein.

Text: Lydia Zellner